Kommt die Entspannung an der “Gasfront“?

Gute Nachricht von der „Energiefront“: die deutschen Gasspeicher sind inzwischen zu 90% gefüllt, und das, obwohl Putin und Gasgerd alles getan haben, um Deutschland von der Belieferung mit russischem Erdgas abzuschneiden. Danke an unsere west- und nordeuropäischen Freunde für ihre Solidarität!

Etwas anderes wird damit aber auch deutlich: der Energieengpass scheint von Putin und Gasgerd von langer Hand geplant gewesen sein, sonst wären wir vermutlich nicht im Sommer in diese prekäre Situation gekommen. Gas als „strategische Waffe“ einzusetzen, um Westeuropa und insbesondere Deutschland bei dem Kolonialkrieg RuZZlands gegen die Ukraine zu paralysieren, war keine Augenblicksentscheidung, sondern langfristiges Kalkül! Und dass Altmeier als Wirtschaftsminister mit seiner Bundesnetzagentur anscheinend sehenden Auges in diese Falle getappt ist und den Verkauf der deutschen Gasspeicher an Gasgerds Gazprom genehmigt hatte, offenbart noch im Nachhinein eine bemerkenswerte, fast schon sträfliche Ignoranz und Blauäugigkeit! Wirtschaft ist eben mehr als „nur“ das Schaffen der Rahmenbedingungen, damit Firmen möglichst effizient Geld verdienen können – sie hat vielmehr auch eine riesige strategische Dimension. Jeder, der sich mit dem Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) befasst, weiß das. Hier hat Altmeier einfach versagt – und leider wirft dies auch einen Schatten auf die letzte Kanzlerschaft Merkels! Bleibt zu hoffen, dass Habeck das klarer erkennt.

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Es ist zum jammern …

Irgendwie schafft es die Ampel gerade, grundsätzlich richtige Entscheidungen kommunikativ absolut bescheuert zu präsentieren, nur um die eigene Klientel nicht zu verärgern.

Beispiel Übergewinnsteuer: da dieser Begriff bei der FDP und ihrem Klientel für Herzrasen sorgt („die FDP erhöht keine Steuern!“), wird das nun als „Gewinnbegrenzung“ oder so ähnlich deklariert. Das Ergebnis bleibt gleich: Unternehmen, die sich durch die aktuelle Krisensituation dumm und dämlich verdienen könnten, wird richtigerweise ein Teil dieses Gewinns, den sie ohne eigene Leistung erzielen würden (nennt man das woanders nicht „windfall profits“?), zugunsten der Staatskasse umgeleitet, die daraus den notwendigen sozialen Ausgleich finanzieren kann.

Beispiel Kernkraftwerke: die grüne Hardcore-Basis, die ihre Genese aus der Anti-AKW-Bewegung herleitet, würde eine Laufzeitverlängerung wohl damit quittieren, dass sie Jauchekübel auf Habecks Schreibtisch auskippt. Was macht also Habeck? Er nennt den Weiterbetrieb „Notreserve“ und hat das damit sprachlich elegant umgerubelt.

Damit wir uns richtig verstehen: ich finde beide Maßnahmen vom Ergebnis her richtig! Was mich stört, ist, dass unsere politischen Vorturner anscheinend inzwischen so sehr vor ihrer eigenen Klientel die Hosen voll haben, dass sie nicht mehr in der Lage sind, das, was sie vor ihrem Gewissen als richtig erkannt haben, auch so zu benennen und umzusetzen. Die Forderung unserer Verfassung: „… nur dem eigenen Gewissen verpflichtet und nicht an Weisungen gebunden …“ wird damit immer weiter hin zu so etwas ähnlichem wie einem imperativen Mandat vergewaltigt. Das geht mir ganz massiv gegen den Strich!

Hoffen wir, dass nun wenigstens „das, was hinten raus kommt“ (Helmut Kohl) einigermaßen vernünftig wird!

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Das Olympia-Attentat 1972

Wir erinnern uns heute an das Olympia-Attentat von vor 50 Jahren – ich erinnere mich noch gut, dass wir damals mit dem Schulchor zu einer Probenwoche auf der Wewelsburg waren und das Ereignis bei uns einiges durcheinandergebracht hat.

Die Opfer des Olympia-Attentats 1972

Aber was mir heute auffällt: Radio und Fernsehen sind in diesen Tagen voll mit vermeintlich tiefschürfenden Analysen von irgendwelchen Leuten, die im Abstand eines halben Jahrhunderts genau wissen, was die Polizei damals falsch gemacht hat. Was dabei aber kaum thematisiert wird: das Olympiaattentat war der Angriff einer terroristischen Mörderbande aus Palästina, die eine friedliche Veranstaltung nutzen wollte, einige ihrer Spießgesellen aus der Haft zu befreien. Dem gegenüber stand eine weitgehend arglose westliche Gesellschaft, für die Terrorismus im Grunde genommen keinen Belang hatte, da er bislang in ihren Ländern nicht existierte. Das Olympiaattentat traf damit auf eine weitgehend unvorbereitete Gesellschaft und Polizei. Eine Schuldzuweisung an die damaligen Einsatzkräfte ist daher in meinen Augen höchst ungerecht und trägt Elemente einer Täter-Opfer-Umkehr in sich. In Deutschland bedeutete das, dass anschließend die GSG 9 unter Ulrich Wegener aufgebaut wurde, um künftig auf solche Verbrechen reagieren zu können.

Übrigens war es in der Öffentlichkeit durchaus umstritten, ob man solchen terroristischen Erpressungen widerstehen oder ihnen vielleicht doch besser nachgeben solle. Die sich in den Folgejahren häufenden erpresserischen Flugzeugentführungen waren ein Resultat dieser Unentschlossenheit und auch des Unvorbereitetseins.

Aus meiner Sicht war es schließlich der Beweis dafür, dass der Staat Erpressungen nicht nachgeben darf, als nach den Flugzeugbefreiungen von Entebbe durch israelische Sicherheitskräfte und von Mogadishu durch die GSG 9 der Spuk der terroristischen Flugzeugentführungen plötzlich weitestgehend ein Ende hatte!

Ich finde jedenfalls, dass ein Tag wie heute selbstverständlich primär der Trauer um die unschuldigen Opfer des Olympiaattentats gelten muss, das steht für mich außer Frage! Allerdings gehört auch dazu, den damaligen Sicherheitskräften und ihren Hinterbliebenen Dank auszudrücken für den Mut, unter Einsatz des eigenen Lebens in einer völlig unübersichtlichen Lage für Schutz und Hilfe der Geiseln einzutreten!

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satirisch angehaucht: eigentlich müssten wir Putin fast dankbar sein … 

Seit Monaten haben wir immer wieder überlegt und dann doch gezögert: sollten wir eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen, sollten wir unsere Gasheizung durch Wärmepumpentechnik ersetzen oder zumindest ergänzen? So richtig waren wir mit der Entscheidung nicht weitergekommen; das für solche Maßnahmen bereitgelegte Geld lagerte wohlbehalten auf einem Konto, brachte zwar kaum Zinsen, aber wurde auch bei der bisherigen Inflationsrate kaum weniger.

Dann kam aber der Februar, Putin überfiel die Ukraine, der Westen beschloss Sanktionen, die Inflationsrate sprang in die Höhe und dann schossen auch die Gaspreise nach oben. Beim Strom hatten wir zwar wegen eines noch laufenden Festpreisvertrags zunächst nichts zu befürchten, aber beim Gas? Die Diskussion über Preissteigerungen und die Gaspreisumlage ließen bereits erkennen, wohin der Weg gehen würde.

Das machte uns die Entscheidung nach dem bisherigen langen Zögern leicht: bevor unser Kapital massiv an Wert verliert, haben wir investiert! Zunächst kam die PV-Anlage aufs Dach mit dem Ergebnis, dass wir seit Inbetriebnahme im Juni praktisch keine „externen“ Stromkosten, also Stromkäufe vom E-Werk, mehr haben, sondern im Gegenteil erhebliche Mengen selbstproduzierten Stroms an den Netzbetreiber verkaufen können. So richtig lukrativ ist das zwar nicht, weil die Einspeisevergütung sehr gering ist, aber mit dem Produktionsüberschuss an elektrischer Energie kann man ja vielleicht noch etwas anderes machen. Die Monatsbilanz von August, dem ersten Monat, in dem unsere Anlage voll in Betrieb war, stimmt jedenfalls sehr optimistisch!

Und so sind wir jetzt dabei, auch zur Minimierung unseres Gasverbrauchs nun zwei Split-Klimageräte einzubauen. Im Sommer damit kühlen, im Winter damit heizen ist das Ziel. Es sieht so aus, dass wir den für den Betrieb erforderlichen Strom hauptsächlich aus der eigenen PV-Anlage decken können. Wir werden dann zwar kaum noch was ins Netz einspeisen, aber wenn wir dadurch unseren Gasverbrauch angesichts der Putin‘schen Gaspreistreiberei kräftig reduzieren können, dann ist das für uns ein Gewinn. Wir brauchen dann nämlich nicht mehr Putin und Gasgerd zu subventionieren.

Was kommt danach? Da wir im Zuge des Baus der PV-Anlage auch bereits eine Wallbox installiert haben, wird es wohl so sein, dass wir beim nächsten anstehenden Fahrzeugwechsel auf Elektromobilität umsteigen werden. Evtl. werden wir dafür die Produktions- und Speicherkapazität unserer PV-Anlage vergrößern müssen, aber vielleicht hat die Bundesregierung bis dahin die steuerliche „Liebhabereigrenze“ für private Anlagen angehoben, so dass wir unseren Strom dann auch bei größerer Produktionsmenge nutzen können, ohne gleich damit als gewerblicher Anbieter zu gelten. Warten wir mal ab, was kommen wird …

Jedenfalls: ohne Putins verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wären wir wahrscheinlich nicht so rasch zu den Entscheidungen gekommen, wie wir sie jetzt getroffen haben. Wir hoffen, damit in die Zukunftssicherheit unseres Hauses investiert zu haben und damit unabhängiger von den Zeitläuften zu werden.

Wie gesagt: eigentlich müssten wir Putin fast dankbar sein!

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Rüm Hart – klar Kiming!

„Kreml setzt auf Unruhen in der EU, um Krieg zu beenden“ – die Anzeichen sind eindeutig so! Putins „5. Kolonne“ ist an verschiedenen Stellen bereits aktiv, sei es bei dem Versuch, die finnische Ministerpräsidentin (die den Beitritt Finnlands zur NATO forciert) zu desavouieren, sei es bei der Unterstützung antidemokratischer Kräfte in Ungarn und Polen, sei es bei der ständigen Zündelei zwischen Griechenland und der Türkei, sei es bei der klammheimlichen Anstachelung links-rechter Protestbewegungen in Deutschland (informelle Wagenknecht-Höcke-Koalition), sei es bei der inzwischen offensichtlichen finanziellen Förderung des rechtsradikalen Front Nationale in Frankreich. Dass Putins Trolle, leider auch gestützt durch den ehemaligen Bundeskanzler Schröder, durch ständige Manipulationen an der Gasversorgung Deutschlands bei uns ein wenig „Volksseele zum Kochen bringen“ wollen, ist offensichtlich!

Der “Tagesspiegel“ hat das heute zutreffend so beschrieben.

Was hilft? Wir sollten uns alle auf den alten Wahlspruch der Friesen besinnen: „Rüm Hart, klar Kiming!“ – weites Herz, klarer Horizont! Hasenfüßigkeit und ständiges Schielen auf den kurzfristigen eigenen wirtschaftlichen Vorteil ist jetzt von Übel. Wir haben es als Volk und Nation durch unsere Geschichte mehrfach bewiesen, dass wir dann, wenn es nötig ist, zusammenstehen können und uns durch Larmoyanz und Kleinmütigkeit nicht unterkriegen lassen.

Es kommt jetzt darauf an, mit Ruhe, Gelassenheit, aber auch Standfestigkeit allen Versuchen des ruzzischen Diktators und seiner Hilfstruppen entgegenzustehen, die Ziele Stalins und seiner Epigonen auf Unterwerfung des gesamten europäischen Kontinents doch noch zum Erfolg zu führen.

Zwei Grad niedrigere Temperatur im Wohnzimmer sollten uns doch wohl nicht veranlassen, uns winselnd vor Putin auf den Rücken zu werfen!

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Gasumlage – ein Rohrkrepierer!

Es zeichnet sich mehr und mehr ab: die angekündigte Gasumlage dient kaum dazu, Gashändler vor der Insolvenz zu bewahren und damit Kunden zu schützen, sie wird vielmehr dazu beitragen, dass die Gewinne der Gashändler nicht gegenüber den exorbitant hohen Ergebnissen der Vorjahre einbrechen.

Ich finde: so haben wir nicht gewettet; zu einem Insolvenzschutz und damit Schutz der Versorgung von Endkunden würde ich ja beitragen wollen, nicht hingegen zum Schutz der Gewinnmarge ohnehin schon üblicherweise höchst profitabler Unternehmen!

Dabei wäre es so einfach:

1. Mittel aus der Gasumlage erhalten ausschließlich Gashändler, die in diesem Jahr mit einem negativen Ergebnis aus dem ordentlichen Geschäftsbetrieb abschließen, also OHNE Berücksichtigung außerordentlicher Effekte z.B. aus Finanztransaktionen.

2. Positive Ergebnisse aus dem Vorjahr werden angerechnet, d.h., Gewinne aus 2021 stützen die Verluste aus 2022. Erst dann, wenn danach ein negativer Saldo übrigbleibt, gibt’s Geld aus dem Topf der Gasumlage.

3. Gewinne in den kommenden (3? 5?) Jahren nach Ende der Stützung werden ebenfalls angerechnet, dienen also dazu, die Stützung aus der Gasumlage zurückzuzahlen.

4. Für die Dauer der Stützung durch die Gasumlage erhalten die Manager nur ihr Grundgehalt, die Zahlung von Boni ist nicht erlaubt.

Ich bin mir ziemlich sicher: würden solche oder vergleichbare Grundsätze beschlossen UND KOMMUNIZIERT, dürfte das Verständnis bei den Menschen für die Gasumlage bedeutend höher sein als bei dem derzeitigen Herumgeeiere!

Übrigens: Markus Kremser hat aus meinen Gedanken eine Petition geschrieben. Ich würde mich freuen, wenn ihr dieser Petition beitretet. Vielleicht kann man ja tatsächlich noch etwas bewegen!

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Auf der Bahn wird‘s eng …

Das ZDF berichtet:

Auch hier rächt es sich wieder, dass über Jahrzehnte hinweg das Schienennetz aus rein finanziellen Erwägungen heraus ausgedünnt worden ist. Die frühere „Maschenstruktur“, die viele Umfahrungen bei Belastungsspitzen möglich gemacht hatte, gibt es vielerorts nicht mehr. Ein Beispiel für viele: die alte Linie von Osterfeld nach Quakenbrück über Coesfeld, Burgsteinfurt und Rheine existiert seit langem nicht mehr bzw. nur noch in rudimentären Teilstücken, dazwischen ist sie heute ein Fahrradweg. Dabei war sie früher eine der Hauptverbindungen für z.B. Kohletransporte vom Ruhrgebiet nach Wilhelmshaven und für Güterverkehr in der Gegenrichtung – dass der Abbau der Strecke auch für den Personenverkehr fatal war, kommt hinzu. Die Verbindung geht heute über die ohnehin schon hochbelastete Strecke über Münster; dass in Münster Planungen der Bahn bestanden (bestehen sie vielleicht sogar noch?), die sog. „Güterumgehungsbahn“ abzubauen und auch den Güterverkehr über das Nadelöhr „Hauptbahnhof“ zu leiten, kann in diesem Zusammenhang nur noch als „Treppenwitz“ anmuten!

Heute konzentriert sich in vielen Gegenden der Bahnbetrieb auf einige Hauptverbindungen; aus dem früheren „Maschennetz“ ist in großen Teilen unseres Landes eine „Baumstruktur“ geworden. Dass Baumstrukturen aber bei außergewöhnlicher Belastung störanfälliger sind als Maschenstrukturen, lehrt uns bereits die Topologie, weswegen z.B. das Internet von vorneherein als Maschennetz aufgebaut worden war („Arpanet“).

Dass in einer Zeit wie jetzt, wo verstärkt wieder Kohle transportiert werden muss und wegen der Dürre die Verfügbarkeit der Wasserstraßen rapide zurückgeht, diese Entwicklung zu erheblichen Engpässen führen kann, weil Güter- und Personenverkehr sich auf die wenigen noch vorhandenen leistungsfähigen Strecken konzentrieren, liegt auf der Hand! Statt der viele Jahre lang praktizierten Zentralisierung wäre es richtiger gewesen, die Resilienz der Verkehrswege durch Dezentralisierung (die es ja gab!) zu sichern. Übrigens gilt das auch für Instandhaltungskapazitäten; es steht zu befürchten, dass die aktuelle hohe Beanspruchung des „rollenden Materials“ bei der Bahn in nicht allzulanger Zeit durch die nur noch wenigen großen Instandhaltungseinrichtungen nicht mehr bewältigt werden kann. Das enge Netz der früher vorhandenen Bahnbetriebswerke wird dann schmerzlich fehlen.

Merke: auch Verkehrswege und Verkehrssysteme sind kritische Infrastrukturen (KRITIS), die man nicht vernachlässigen sollte, will man nicht irgendwann „auf die Nase fallen“!

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Dachkennzeichnung von Einsatzfahrzeugen – „alter Hut“ oder aktueller denn je?

„Alte Leute wissen schon“ – über die Dachkennzeichnung von Einsatzfahrzeugen wird seit Jahrzehnten diskutiert und das Für und Wider erörtert. Bereits in den 70ern war sie für Fahrzeuge der „Wochenendwachen“ an den nrw. Autobahnen üblich, damals mit dem Funkrufnamen des jeweiligen Fahrzeugs. Später nahm die Diskussion dann richtig Fahrt auf, als während der Waldbrandkatastrophe 1975 in der Lüneburger Heide fünf Feuerwehrkameraden in ihrem Einsatzfahrzeug verbrannt und so ums Leben gekommen sind. Damals allerdings hatte es wohl unterschiedliche Auslöser dieses tragischen Unglücks gegeben: das Einsatzfahrzeug war nur schlecht von oben zu erkennen und außerdem war es lediglich mit einem Wenigkanalfunkgerät ausgestattet, so dass es keine Funkverbindung zur Einsatzleitung halten und einen Notruf absetzen konnte. Dies führte dann – zumindest in NRW – dazu, dass seit diesem Zeitpunkt in Einsatzfahrzeugen im 4m-Band nur noch Vielkanalfunkgeräte zugelassen waren; für den Einsatzstellenfunk auf 2m-Frequenzen ließ der Einsatz von Vielkanalfunkgeräten jedoch noch weitere Jahre auf sich warten. Um die Erkennbarkeit aus der Luft zu verbessern, wurde allgemein empfohlen, dass Einsatzfahrzeuge mit einer Dachkennzeichnung versehen werden sollten. Allerdings lief die Diskussion noch viele Jahre, ob dafür entweder Funkrufname und Kanalnummer verwendet werden sollten (was hätte es aber bei der überörtlichen Hilfe gebracht, wenn der Heimatkanal am Fahrzeug angeschrieben war?) oder besser doch das amtliche Kennzeichen des Fahrzeugs. Schließlich regelte für NRW ein Erlass des Innenministeriums im Jahre 1978, dass für die Dachkennzeichnung das amtliche Kennzeichen zu verwenden sei; die Kennzeichnung selbst blieb aber eine Empfehlung, wurde also nicht vorgeschrieben, sondern lediglich erlaubt. Gerade auch bundes- und landeseigene Fahrzeuge blieben ohne Dachkennzeichnung, weil dies eine „Formänderung“ gewesen wäre, die zu beantragen war. Die meisten Nutzer haben daher auf den damit verbundenen Aufwand lieber verzichtet. Der Erlass von 1978 blieb jedoch über mehr als vierzig Jahre – bis 2020! – „in der Welt“, ist aber wahrscheinlich immer mehr in Vergessenheit geraten.

Allerdings: die zunehmende Notwendigkeit überörtlicher Einsätze und nicht zuletzt der steigende Einsatz von Luftfahrzeugen der BOS (nicht nur Hubschrauber, sondern insbesondere zunehmend auch Drohnen) zeigt auf, dass eine Erkennbarkeit von Einsatzfahrzeugen aus der Luft sinnvoll ist. Hochwasser- und Waldbrandlagen mit dem Einsatz vieler Einheiten „von weit weg“ zeigen, dass es durchaus sinnvoll ist, anrückende Einheiten schon auf dem Marsch aus der Luft identifizieren zu können. Noch wichtiger wird diese Möglichkeit, wenn sich eine bodengebunden noch nicht erkennbare Gefahr auf Einsatzfahrzeuge und Einheiten zubewegt, wie dies bei Hochwassersituationen sowie Wald- und Flächenbränden immer wieder einmal geschieht. Das THW hat bereits vor einiger Zeit diese Überlegungen aufgegriffen und entsprechende Vorstellungen veröffentlicht.

Nach mehr als 42 Jahren hat im Jahre 2020 auch das Land NRW seinen „Uralterlass“ zur Dachkennzeichnung wieder ausgekramt und, wie ich finde, richtigerweise aktualisiert. Der seitdem geltende Erlass „Dachbeschriftung der mit Sprechfunkgeräten ausgestatteten Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes“ (Runderlass des Ministeriums des Innern vom 17. Juni 2020) kann auf dem Server des Landes unter
https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=1&gld_nr=2&ugl_nr=2134&bes_id=42785
gefunden werden.

Dieses Bild von einer Ausbildungsveranstaltung des THW zeigt augenfällig, wie sinnvoll eine Dachbeschriftung – hier von Führungsfahrzeugen – für die Erkennbarkeit aus der Luft ist. Außerdem zeigt es auf, dass eine Mehrzeiligkeit mit großer Schrift besser erkennbar ist als die Einzeiligkeit mit kleiner Schrift. Allerdings: eine Dachbeschriftung mit der ISSI als 7-stelliger Zahl wäre kürzer und würde die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit noch mehr erhöhen.

So weit, so gut?

Ich finde: das geht in die richtige Richtung, aber es reicht nicht aus. Der aktuelle Erlass lässt anscheinend die landeseigenen Fahrzeuge „außen vor“, jedenfalls spricht er sie nicht explizit an. Dabei wäre es doch ein leichtes, gerade bei den im Eigentum des Landes stehenden Fahrzeugen mit gutem Beispiel voranzugehen und sie bereits mit der „vorgesehenen“ (warum eigentlich „vorgesehenen“ und nicht „vorgeschriebenen“?) Dachbeschriftung auszuliefern – da die landeseigenen Fahrzeuge zentral in Düsseldorf mit NRW-Kennzeichen zugelassen werden, stehen ja die amtlichen Kennzeichen von vorneherein fest.

Es verwundert auch, dass für die Fahrzeuge des Rettungsdienstes, die ja eigentlich auch integraler Bestandteil des Gefahrenabwehrsystems sind, keinerlei Aussage getroffen wird. Hat man hier im Innenministerium Sorge gehabt, die Abstimmung mit dem für den Rettungsdienst zuständigen Gesundheitsministerium könnte misslingen und hat sich daher auf die Fahrzeuge in unmittelbarer Zuständigkeit des Innenministeriums beschränkt? Schade eigentlich! Im gleichen Zuge wäre es sinnvoll, den Erlass zumindest so zu ergänzen, dass die Hilfsorganisationen aufgerufen werden, für die von ihnen beigestellten organisationseigenen Einsatzfahrzeuge entsprechend zu verfahren.

Schließlich: auch die mitzuführende „Liste der Funkrufnamensystematik“ bleibt aus meiner Sicht auf halbem Weg stecken: der Digitalfunk bietet bekanntlich die Möglichkeit, jedes Funkgerät, gleichgültig, in welcher Gesprächsgruppe es gerade eingebucht ist, unmittelbar per Einzelruf über seine ISSI anzusprechen. Es wäre also sinnvoll, künftig eine praktikable Lösung dergestalt zu schaffen, dass die Liste der Fahrzeugkennzeichen auch jeweils mit der ISSI des dort verbauten Funkgeräts ergänzt wird, so dass jedes Fahrzeug nicht nur über seine aktuelle Gesprächsgruppe, sondern auch unmittelbar angesprochen werden kann. Überhaupt sollte überall dort, wo eine Liste oder ein Aufkleber mit dem amtlichen Kennzeichen des Fahrzeuges angesprochen wird, auch die ISSI mit aufgeführt werden, denn nur wenige Einsatzkräfte werden die ISSI ihres Fahrzeugs kennen oder sie im Trubel eines Einsatzgeschehens aus dem Gerät auslesen können. Und seien wir mal ehrlich: schwieriger als die Angabe einer Mobilfunknummer ist die Weitergabe einer ISSI auch nicht; sie sollte künftig – als eine Art von „Telefonnummer des Funkgeräts“ – zur Standardangabe bei überörtlichen Einsätzen gehören.

Und damit komme ich zu einem weiteren Punkt: wäre es nicht sinnvoll, die ISSI (eine 7-stellige Zahl, mithin also nicht länger als ein amtliches Kennzeichen – das in NRW eingesetzte Muster von NRW-8-XXXXX hat mehr Stellen!) als Dachbeschriftung zu nutzen? Jedes Fahrzeug könnte damit im Digitalfunk der BOS unmittelbar adressiert und angerufen werden, ohne erst in Listen oder Tabellen oder Datenbanken suchen zu müssen. Ob daneben überhaupt noch das amtliche Kennzeichen angebracht werden müsste, sei dahingestellt – notwendig wäre es wohl nicht mehr.

Und wenn dann noch die Fahrzeuge des Sanitätsdienstes auf dem Dach mit dem Rotkreuzschutzzeichen und die der anderen Fachdienste mit dem Schutzzeichen des Zivilschutzes ausgestattet würden, wäre das Leben im Bevölkerungsschutz zumindest, was diese Kennzeichnung angeht, vor Glück kaum mehr auszuhalten! 😉

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Sommerhitze – schlecht geträumt …

… oder vielleicht doch gut?

Bei dieser Hitze ist es bekanntlich schwer, in den Schlaf zu kommen, und wenn man dann nach gefühlten fünf Stunden Herumwälzen doch endlich die Augen zu bekommt, schießen einem im Traum manchmal abstruse Gedanken durch den Kopf – so auch bei mir!

Und da kommt dann plötzlich eine Idee auf:

Bei allen Diskussionen über 9€-Ticket, 29 / 69€- Monatsticket, 365€-Jahresticket fällt auf: egal wie, mit 1€ oder 3€ pro Person und Tag lässt sich ÖPNV nicht kostendeckend finanzieren! Ganz im Hinterkopf klopft da gerade ein kleiner Bewusstseinszwerg an das Schädeldach, um mir mitzuteilen, dass ja auch heute schon der Nahverkehr nur mit Riesenzuschüssen der öffentlichen Hand finanzierbar ist; ich wische diese Meinungsäußerung aber zunächst zur Seite, bis sich dann der Gedanke endlich ausformt:

Warum um alles in der Welt finanzieren wir den ÖPNV dann nicht komplett aus Steuermitteln? Wir könnten Kosten für Fahrscheinautomaten sparen, die Busfahrer könnten pünktlicher fahren, weil sie ja keine Fahrscheine mehr kontrollieren müssten, die Zeiten für die Diskussionen in den Kommunen über die Ticketpreise könnten für Besseres genutzt werden, Schulbuskosten würden entfallen. Und wenn dann die jetzt als Fahrscheinkontrolleure eingesetzten Personen zu Busfahrern oder Triebfahrzeugführern umgeschult würden, hätten die Verkehrsbetriebe auch endlich genügend Fahrpersonal und es müssten nicht ständig Fahrten wegen Personalmangel ausfallen …

Der kleine Bewusstseinszwerg im Hinterkopf klopft in diesem Moment gerade wieder an, um mir mitzuteilen, dass ein kostenfreier ÖPNV in Luxemburg anscheinend erfolgreich bereits existiert, aber irgendwie schaffe ich es nicht, ihn so richtig wahrzunehmen, weil zwei Herren namens Scheuer und Wissing ihm ständig dazwischenquatschen. Er klopft daher immer stärker und lauter, und plötzlich:

KRACH! Ich wache auf, weil ein kräftiger Gewitterdonnerschlag mich aus dem Schlaf und meinem Traum reißt! Schade – ich hatte gerade begonnen, mich mit meinem Traumbild anzufreunden. Der einsetzende Regen rauscht herunter, und meine Gedanken wandern zu unserem Rasen, der am Abend noch braun verbrannt war und von dem ich nun hoffe, dass der Regen ihm wieder Vitalität bringen wird. Mit diesem tröstlichen Gedanken schlafe ich ein.

Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass mein Traumbild eine schönere Welt widergespiegelt hat. Ob mein Bewusstseinszwerg und ich die einzigen sind, die einem solchen Traumbild nachhängen?

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ELSTER – alle Achtung!

Ihr wisst ja: ich bin manchmal kritisch, im Einzelfall auch schon mal sehr kritisch zur Digitalkompetenz deutscher Behörden eingestellt. Allerdings gibt es auch positive Entwicklungen. Die Fairness gebietet es, auch diese zu erwähnen.

Im Zuge der Installation unserer PV-Anlage hatte ich telefonisch mit dem Finanzamt Steinfurt Kontakt aufgenommen mit der Frage, was ich steuerlich zu beachten hätte. Schon damals war ich positiv überrascht: neben einer sehr freundlichen mündlichen Auskunft erhielt ich noch am gleichen Tag eine Mail mit sehr nützlichen weiteren Unterlagen und Links zum weiteren Verfahren: Pluspunkt Nummer 1️⃣.

Nachdem die Anlage nun installiert ist, habe ich, wie in den übersandten Unterlagen angefordert, die Umsatzsteuervoranmeldung für das II. Quartal erledigt, und: oh Wunder, am PC über ELSTER gestaltete sich das ausnehmend unproblematisch! Als unerfahrener „Steuerkunde“ hatte ich beim Ausfüllen zunächst einen Fehler gemacht, auf den mich das System aber sofort aufmerksam machte. Ich konnte damit die Erklärung anscheinend fehlerfrei übersenden und hatte wenige Minuten später den Sendebericht und die Kopie der Erklärung zum Download in meinem ELSTER-Postfach. Pluspunkt Nummer 2️⃣.

Dann kam es aber: wegen einer Frage, die ich im weiteren Verlauf dem Finanzamt stellen wollte, suchte ich auf dessen Homepage eine E-Mail-Adresse – Fehlanzeige! Ich war bereits drauf und dran, meine erworbene gute Meinung zur Digitalkompetenz der deutschen Finanzverwaltung zu revidieren, als ich den Hinweis auf der Homepage entdeckte, für Anfragen etc. doch bitte auch ELSTER zu verwenden. Probiert, getan: es funktionierte und auch hier hatte ich nach wenigen Minuten wieder die Bestätigung in meinem ELSTER-Postfach. Pluspunkt Nummer 3️⃣ – mit der kleinen Anmerkung an den Webdesigner, den Hinweis auf ELSTER für die allgemeine Kommunikation doch vielleicht typografisch etwas auffälliger zu gestalten.

Heute nun erhielt ich eine kurze Mail mit einer Rückrufbitte meiner Sachbearbeiterin. In dem Telefongespräch wurde ich (wiederum sehr freundlich!) gebeten, noch einen Beleg zu übersenden. Da ich in diesem Moment keinen PC erreichbar hatte, habe ich erstmals ELSTER mobil auf dem Tablet benutzt – und was soll ich sagen: wiederum völlig unproblematisch und auch die Übergabe des benötigten Belegs aus meiner NextCloud an ELSTER lief komplett reibungslos, wie ich an der wiederum nach wenigen Minuten im ELSTER-Postfach vorliegenden Bestätigung erkennen kann. Ich habe damit erstmals Steuerangelegenheiten vom Gartentisch aus erledigen können, was mir sehr gefällt — Pluspunkt Nummer 4️⃣.

Ich muss feststellen: die inzwischen bei den Finanzbehörden anscheinend eingetretene „Kundenorientierung durch Digitalisierung“ gefällt mir ausnehmend gut und manchen in der Vergangenheit „zwischen den Zähnen zerkauten Fluch“ muss ich heute zurücknehmen. Schön wäre es, wenn auch andere Behörden von den Kommunen angefangen über die Justiz bis nach „ganz oben“ sich diesen in meinen Augen gelungenen Weg der Finanzämter als Beispiel nähmen und entsprechend umsetzen würden.

Jedenfalls zeigt ELSTER, dass Digitalisierung und Behörde zumindest im Verhältnis zum Bürger heute kein „schwarzes Loch“ mehr sein muss!

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