Wo wird der Weg hingehen?


ich bin derzeit etwas ratlos!

(unter Verwendung von Formulierungen von Christian Saßenscheidt)

Ich bin 1973 in die Union eingetreten. Damals war ich 18. Das konservative Milieu war meine politische Heimat, auch wenn ich immer mit der Herkunft aus katholischem Umfeld und aus der katholischen Soziallehre heraus zu vielen Themen hierzulande eher „links“ verortete Positionen vertreten habe. Damals war ich in der Union damit auch alles andere als allein. Die Faszination von Hans Katzer, Norbert Blüm und bis heute Karl-Josef Laumann hat mich dann alsbald, als ich ins Berufsleben einstieg, zur CDA geführt. Zu diesem Zeitpunkt war ich in Bielefeld bereits kommunalpolitisch engagiert (Bezirksvertretung Stieghorst), ein Engagement, das ich später dann als Ratsmitglied und Fraktionsgeschäftsführer in Nordwalde für zehn Jahre fortgesetzt habe.

Aber die letzten 20 Jahre haben die Reduktion des christlichen zu einem losen kulturnationalistischen Identitätsbegriff gebracht, eine Dominanz von Vulgärliberalismus und Ellenbogenmentalität vor allem auf der Bundesebene. Ein Schlüsselerlebnis war für mich das CDU-FDP-Kabinett Merkel II, dessen Zustandekommen und das vorzugsweise wirtschaftsliberale Gebahren auf Betreiben der FDP von der CDU fast unwidersprochen hingenommen wurde. Dies führte dazu, dass ich die CDU damals nach 35-jähriger Mitgliedschaft verlassen habe. Allerdings bin ich bis heute weiter CDA-Mitglied geblieben, denn das ursprüngliche Gedankengut der Union aus christlicher Verantwortung heraus halte ich weiterhin für sinnvoll, richtig und zukunftsweisend.

Seit meiner Studienzeit befasse ich mich auch mit Fragen des Schutzes unserer natürlichen Umwelt, als „Bewahrung der Schöpfung“ ebenfalls christlich konnotiert (hierzu mein Beitrag in https://www.steinfurt-net.de/familienblog/?p=284). Das und insbesondere das Beispiel von Ruprecht Polenz haben mich inzwischen zur KlimaUnion geführt, deren Überlegungen und Programmatik ich für sehr wichtig halte.

Sorge bereitet mir jedoch die Annäherung der CDU an AfD-affine Positionen und der Wirtschaftsliberalismus von Friedrich Merz, den er als „Wiederherstellung konservativer Programmatik“ verkauft. Mir wird mehr und mehr unklar, wohin die Union driften will – der „rechtsgewirkte“ ausländerfeindliche und lediglich wirtschaftsorientierte Kurs gerade der östlichen Landesverbände und ihrer Protagonisten ist mir mehr und mehr zuwider!

Wird es mir möglich bleiben, in der Union auch in den kommenden Jahren noch meine politische Heimat zu sehen?

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