Auf der Bahn wird‘s eng …

Das ZDF berichtet:

Auch hier rächt es sich wieder, dass über Jahrzehnte hinweg das Schienennetz aus rein finanziellen Erwägungen heraus ausgedünnt worden ist. Die frühere „Maschenstruktur“, die viele Umfahrungen bei Belastungsspitzen möglich gemacht hatte, gibt es vielerorts nicht mehr. Ein Beispiel für viele: die alte Linie von Osterfeld nach Quakenbrück über Coesfeld, Burgsteinfurt und Rheine existiert seit langem nicht mehr bzw. nur noch in rudimentären Teilstücken, dazwischen ist sie heute ein Fahrradweg. Dabei war sie früher eine der Hauptverbindungen für z.B. Kohletransporte vom Ruhrgebiet nach Wilhelmshaven und für Güterverkehr in der Gegenrichtung – dass der Abbau der Strecke auch für den Personenverkehr fatal war, kommt hinzu. Die Verbindung geht heute über die ohnehin schon hochbelastete Strecke über Münster; dass in Münster Planungen der Bahn bestanden (bestehen sie vielleicht sogar noch?), die sog. „Güterumgehungsbahn“ abzubauen und auch den Güterverkehr über das Nadelöhr „Hauptbahnhof“ zu leiten, kann in diesem Zusammenhang nur noch als „Treppenwitz“ anmuten!

Heute konzentriert sich in vielen Gegenden der Bahnbetrieb auf einige Hauptverbindungen; aus dem früheren „Maschennetz“ ist in großen Teilen unseres Landes eine „Baumstruktur“ geworden. Dass Baumstrukturen aber bei außergewöhnlicher Belastung störanfälliger sind als Maschenstrukturen, lehrt uns bereits die Topologie, weswegen z.B. das Internet von vorneherein als Maschennetz aufgebaut worden war („Arpanet“).

Dass in einer Zeit wie jetzt, wo verstärkt wieder Kohle transportiert werden muss und wegen der Dürre die Verfügbarkeit der Wasserstraßen rapide zurückgeht, diese Entwicklung zu erheblichen Engpässen führen kann, weil Güter- und Personenverkehr sich auf die wenigen noch vorhandenen leistungsfähigen Strecken konzentrieren, liegt auf der Hand! Statt der viele Jahre lang praktizierten Zentralisierung wäre es richtiger gewesen, die Resilienz der Verkehrswege durch Dezentralisierung (die es ja gab!) zu sichern. Übrigens gilt das auch für Instandhaltungskapazitäten; es steht zu befürchten, dass die aktuelle hohe Beanspruchung des „rollenden Materials“ bei der Bahn in nicht allzulanger Zeit durch die nur noch wenigen großen Instandhaltungseinrichtungen nicht mehr bewältigt werden kann. Das enge Netz der früher vorhandenen Bahnbetriebswerke wird dann schmerzlich fehlen.

Merke: auch Verkehrswege und Verkehrssysteme sind kritische Infrastrukturen (KRITIS), die man nicht vernachlässigen sollte, will man nicht irgendwann „auf die Nase fallen“!

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Dachkennzeichnung von Einsatzfahrzeugen – „alter Hut“ oder aktueller denn je?

„Alte Leute wissen schon“ – über die Dachkennzeichnung von Einsatzfahrzeugen wird seit Jahrzehnten diskutiert und das Für und Wider erörtert. Bereits in den 70ern war sie für Fahrzeuge der „Wochenendwachen“ an den nrw. Autobahnen üblich, damals mit dem Funkrufnamen des jeweiligen Fahrzeugs. Später nahm die Diskussion dann richtig Fahrt auf, als während der Waldbrandkatastrophe 1975 in der Lüneburger Heide fünf Feuerwehrkameraden in ihrem Einsatzfahrzeug verbrannt und so ums Leben gekommen sind. Damals allerdings hatte es wohl unterschiedliche Auslöser dieses tragischen Unglücks gegeben: das Einsatzfahrzeug war nur schlecht von oben zu erkennen und außerdem war es lediglich mit einem Wenigkanalfunkgerät ausgestattet, so dass es keine Funkverbindung zur Einsatzleitung halten und einen Notruf absetzen konnte. Dies führte dann – zumindest in NRW – dazu, dass seit diesem Zeitpunkt in Einsatzfahrzeugen im 4m-Band nur noch Vielkanalfunkgeräte zugelassen waren; für den Einsatzstellenfunk auf 2m-Frequenzen ließ der Einsatz von Vielkanalfunkgeräten jedoch noch weitere Jahre auf sich warten. Um die Erkennbarkeit aus der Luft zu verbessern, wurde allgemein empfohlen, dass Einsatzfahrzeuge mit einer Dachkennzeichnung versehen werden sollten. Allerdings lief die Diskussion noch viele Jahre, ob dafür entweder Funkrufname und Kanalnummer verwendet werden sollten (was hätte es aber bei der überörtlichen Hilfe gebracht, wenn der Heimatkanal am Fahrzeug angeschrieben war?) oder besser doch das amtliche Kennzeichen des Fahrzeugs. Schließlich regelte für NRW ein Erlass des Innenministeriums im Jahre 1978, dass für die Dachkennzeichnung das amtliche Kennzeichen zu verwenden sei; die Kennzeichnung selbst blieb aber eine Empfehlung, wurde also nicht vorgeschrieben, sondern lediglich erlaubt. Gerade auch bundes- und landeseigene Fahrzeuge blieben ohne Dachkennzeichnung, weil dies eine „Formänderung“ gewesen wäre, die zu beantragen war. Die meisten Nutzer haben daher auf den damit verbundenen Aufwand lieber verzichtet. Der Erlass von 1978 blieb jedoch über mehr als vierzig Jahre – bis 2020! – „in der Welt“, ist aber wahrscheinlich immer mehr in Vergessenheit geraten.

Allerdings: die zunehmende Notwendigkeit überörtlicher Einsätze und nicht zuletzt der steigende Einsatz von Luftfahrzeugen der BOS (nicht nur Hubschrauber, sondern insbesondere zunehmend auch Drohnen) zeigt auf, dass eine Erkennbarkeit von Einsatzfahrzeugen aus der Luft sinnvoll ist. Hochwasser- und Waldbrandlagen mit dem Einsatz vieler Einheiten „von weit weg“ zeigen, dass es durchaus sinnvoll ist, anrückende Einheiten schon auf dem Marsch aus der Luft identifizieren zu können. Noch wichtiger wird diese Möglichkeit, wenn sich eine bodengebunden noch nicht erkennbare Gefahr auf Einsatzfahrzeuge und Einheiten zubewegt, wie dies bei Hochwassersituationen sowie Wald- und Flächenbränden immer wieder einmal geschieht. Das THW hat bereits vor einiger Zeit diese Überlegungen aufgegriffen und entsprechende Vorstellungen veröffentlicht.

Nach mehr als 42 Jahren hat im Jahre 2020 auch das Land NRW seinen „Uralterlass“ zur Dachkennzeichnung wieder ausgekramt und, wie ich finde, richtigerweise aktualisiert. Der seitdem geltende Erlass „Dachbeschriftung der mit Sprechfunkgeräten ausgestatteten Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes“ (Runderlass des Ministeriums des Innern vom 17. Juni 2020) kann auf dem Server des Landes unter
https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=1&gld_nr=2&ugl_nr=2134&bes_id=42785
gefunden werden.

Dieses Bild von einer Ausbildungsveranstaltung des THW zeigt augenfällig, wie sinnvoll eine Dachbeschriftung – hier von Führungsfahrzeugen – für die Erkennbarkeit aus der Luft ist. Außerdem zeigt es auf, dass eine Mehrzeiligkeit mit großer Schrift besser erkennbar ist als die Einzeiligkeit mit kleiner Schrift. Allerdings: eine Dachbeschriftung mit der ISSI als 7-stelliger Zahl wäre kürzer und würde die Lesbarkeit und Übersichtlichkeit noch mehr erhöhen.

So weit, so gut?

Ich finde: das geht in die richtige Richtung, aber es reicht nicht aus. Der aktuelle Erlass lässt anscheinend die landeseigenen Fahrzeuge „außen vor“, jedenfalls spricht er sie nicht explizit an. Dabei wäre es doch ein leichtes, gerade bei den im Eigentum des Landes stehenden Fahrzeugen mit gutem Beispiel voranzugehen und sie bereits mit der „vorgesehenen“ (warum eigentlich „vorgesehenen“ und nicht „vorgeschriebenen“?) Dachbeschriftung auszuliefern – da die landeseigenen Fahrzeuge zentral in Düsseldorf mit NRW-Kennzeichen zugelassen werden, stehen ja die amtlichen Kennzeichen von vorneherein fest.

Es verwundert auch, dass für die Fahrzeuge des Rettungsdienstes, die ja eigentlich auch integraler Bestandteil des Gefahrenabwehrsystems sind, keinerlei Aussage getroffen wird. Hat man hier im Innenministerium Sorge gehabt, die Abstimmung mit dem für den Rettungsdienst zuständigen Gesundheitsministerium könnte misslingen und hat sich daher auf die Fahrzeuge in unmittelbarer Zuständigkeit des Innenministeriums beschränkt? Schade eigentlich! Im gleichen Zuge wäre es sinnvoll, den Erlass zumindest so zu ergänzen, dass die Hilfsorganisationen aufgerufen werden, für die von ihnen beigestellten organisationseigenen Einsatzfahrzeuge entsprechend zu verfahren.

Schließlich: auch die mitzuführende „Liste der Funkrufnamensystematik“ bleibt aus meiner Sicht auf halbem Weg stecken: der Digitalfunk bietet bekanntlich die Möglichkeit, jedes Funkgerät, gleichgültig, in welcher Gesprächsgruppe es gerade eingebucht ist, unmittelbar per Einzelruf über seine ISSI anzusprechen. Es wäre also sinnvoll, künftig eine praktikable Lösung dergestalt zu schaffen, dass die Liste der Fahrzeugkennzeichen auch jeweils mit der ISSI des dort verbauten Funkgeräts ergänzt wird, so dass jedes Fahrzeug nicht nur über seine aktuelle Gesprächsgruppe, sondern auch unmittelbar angesprochen werden kann. Überhaupt sollte überall dort, wo eine Liste oder ein Aufkleber mit dem amtlichen Kennzeichen des Fahrzeuges angesprochen wird, auch die ISSI mit aufgeführt werden, denn nur wenige Einsatzkräfte werden die ISSI ihres Fahrzeugs kennen oder sie im Trubel eines Einsatzgeschehens aus dem Gerät auslesen können. Und seien wir mal ehrlich: schwieriger als die Angabe einer Mobilfunknummer ist die Weitergabe einer ISSI auch nicht; sie sollte künftig – als eine Art von „Telefonnummer des Funkgeräts“ – zur Standardangabe bei überörtlichen Einsätzen gehören.

Und damit komme ich zu einem weiteren Punkt: wäre es nicht sinnvoll, die ISSI (eine 7-stellige Zahl, mithin also nicht länger als ein amtliches Kennzeichen – das in NRW eingesetzte Muster von NRW-8-XXXXX hat mehr Stellen!) als Dachbeschriftung zu nutzen? Jedes Fahrzeug könnte damit im Digitalfunk der BOS unmittelbar adressiert und angerufen werden, ohne erst in Listen oder Tabellen oder Datenbanken suchen zu müssen. Ob daneben überhaupt noch das amtliche Kennzeichen angebracht werden müsste, sei dahingestellt – notwendig wäre es wohl nicht mehr.

Und wenn dann noch die Fahrzeuge des Sanitätsdienstes auf dem Dach mit dem Rotkreuzschutzzeichen und die der anderen Fachdienste mit dem Schutzzeichen des Zivilschutzes ausgestattet würden, wäre das Leben im Bevölkerungsschutz zumindest, was diese Kennzeichnung angeht, vor Glück kaum mehr auszuhalten! 😉

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Sommerhitze – schlecht geträumt …

… oder vielleicht doch gut?

Bei dieser Hitze ist es bekanntlich schwer, in den Schlaf zu kommen, und wenn man dann nach gefühlten fünf Stunden Herumwälzen doch endlich die Augen zu bekommt, schießen einem im Traum manchmal abstruse Gedanken durch den Kopf – so auch bei mir!

Und da kommt dann plötzlich eine Idee auf:

Bei allen Diskussionen über 9€-Ticket, 29 / 69€- Monatsticket, 365€-Jahresticket fällt auf: egal wie, mit 1€ oder 3€ pro Person und Tag lässt sich ÖPNV nicht kostendeckend finanzieren! Ganz im Hinterkopf klopft da gerade ein kleiner Bewusstseinszwerg an das Schädeldach, um mir mitzuteilen, dass ja auch heute schon der Nahverkehr nur mit Riesenzuschüssen der öffentlichen Hand finanzierbar ist; ich wische diese Meinungsäußerung aber zunächst zur Seite, bis sich dann der Gedanke endlich ausformt:

Warum um alles in der Welt finanzieren wir den ÖPNV dann nicht komplett aus Steuermitteln? Wir könnten Kosten für Fahrscheinautomaten sparen, die Busfahrer könnten pünktlicher fahren, weil sie ja keine Fahrscheine mehr kontrollieren müssten, die Zeiten für die Diskussionen in den Kommunen über die Ticketpreise könnten für Besseres genutzt werden, Schulbuskosten würden entfallen. Und wenn dann die jetzt als Fahrscheinkontrolleure eingesetzten Personen zu Busfahrern oder Triebfahrzeugführern umgeschult würden, hätten die Verkehrsbetriebe auch endlich genügend Fahrpersonal und es müssten nicht ständig Fahrten wegen Personalmangel ausfallen …

Der kleine Bewusstseinszwerg im Hinterkopf klopft in diesem Moment gerade wieder an, um mir mitzuteilen, dass ein kostenfreier ÖPNV in Luxemburg anscheinend erfolgreich bereits existiert, aber irgendwie schaffe ich es nicht, ihn so richtig wahrzunehmen, weil zwei Herren namens Scheuer und Wissing ihm ständig dazwischenquatschen. Er klopft daher immer stärker und lauter, und plötzlich:

KRACH! Ich wache auf, weil ein kräftiger Gewitterdonnerschlag mich aus dem Schlaf und meinem Traum reißt! Schade – ich hatte gerade begonnen, mich mit meinem Traumbild anzufreunden. Der einsetzende Regen rauscht herunter, und meine Gedanken wandern zu unserem Rasen, der am Abend noch braun verbrannt war und von dem ich nun hoffe, dass der Regen ihm wieder Vitalität bringen wird. Mit diesem tröstlichen Gedanken schlafe ich ein.

Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass mein Traumbild eine schönere Welt widergespiegelt hat. Ob mein Bewusstseinszwerg und ich die einzigen sind, die einem solchen Traumbild nachhängen?

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ELSTER – alle Achtung!

Ihr wisst ja: ich bin manchmal kritisch, im Einzelfall auch schon mal sehr kritisch zur Digitalkompetenz deutscher Behörden eingestellt. Allerdings gibt es auch positive Entwicklungen. Die Fairness gebietet es, auch diese zu erwähnen.

Im Zuge der Installation unserer PV-Anlage hatte ich telefonisch mit dem Finanzamt Steinfurt Kontakt aufgenommen mit der Frage, was ich steuerlich zu beachten hätte. Schon damals war ich positiv überrascht: neben einer sehr freundlichen mündlichen Auskunft erhielt ich noch am gleichen Tag eine Mail mit sehr nützlichen weiteren Unterlagen und Links zum weiteren Verfahren: Pluspunkt Nummer 1️⃣.

Nachdem die Anlage nun installiert ist, habe ich, wie in den übersandten Unterlagen angefordert, die Umsatzsteuervoranmeldung für das II. Quartal erledigt, und: oh Wunder, am PC über ELSTER gestaltete sich das ausnehmend unproblematisch! Als unerfahrener „Steuerkunde“ hatte ich beim Ausfüllen zunächst einen Fehler gemacht, auf den mich das System aber sofort aufmerksam machte. Ich konnte damit die Erklärung anscheinend fehlerfrei übersenden und hatte wenige Minuten später den Sendebericht und die Kopie der Erklärung zum Download in meinem ELSTER-Postfach. Pluspunkt Nummer 2️⃣.

Dann kam es aber: wegen einer Frage, die ich im weiteren Verlauf dem Finanzamt stellen wollte, suchte ich auf dessen Homepage eine E-Mail-Adresse – Fehlanzeige! Ich war bereits drauf und dran, meine erworbene gute Meinung zur Digitalkompetenz der deutschen Finanzverwaltung zu revidieren, als ich den Hinweis auf der Homepage entdeckte, für Anfragen etc. doch bitte auch ELSTER zu verwenden. Probiert, getan: es funktionierte und auch hier hatte ich nach wenigen Minuten wieder die Bestätigung in meinem ELSTER-Postfach. Pluspunkt Nummer 3️⃣ – mit der kleinen Anmerkung an den Webdesigner, den Hinweis auf ELSTER für die allgemeine Kommunikation doch vielleicht typografisch etwas auffälliger zu gestalten.

Heute nun erhielt ich eine kurze Mail mit einer Rückrufbitte meiner Sachbearbeiterin. In dem Telefongespräch wurde ich (wiederum sehr freundlich!) gebeten, noch einen Beleg zu übersenden. Da ich in diesem Moment keinen PC erreichbar hatte, habe ich erstmals ELSTER mobil auf dem Tablet benutzt – und was soll ich sagen: wiederum völlig unproblematisch und auch die Übergabe des benötigten Belegs aus meiner NextCloud an ELSTER lief komplett reibungslos, wie ich an der wiederum nach wenigen Minuten im ELSTER-Postfach vorliegenden Bestätigung erkennen kann. Ich habe damit erstmals Steuerangelegenheiten vom Gartentisch aus erledigen können, was mir sehr gefällt — Pluspunkt Nummer 4️⃣.

Ich muss feststellen: die inzwischen bei den Finanzbehörden anscheinend eingetretene „Kundenorientierung durch Digitalisierung“ gefällt mir ausnehmend gut und manchen in der Vergangenheit „zwischen den Zähnen zerkauten Fluch“ muss ich heute zurücknehmen. Schön wäre es, wenn auch andere Behörden von den Kommunen angefangen über die Justiz bis nach „ganz oben“ sich diesen in meinen Augen gelungenen Weg der Finanzämter als Beispiel nähmen und entsprechend umsetzen würden.

Jedenfalls zeigt ELSTER, dass Digitalisierung und Behörde zumindest im Verhältnis zum Bürger heute kein „schwarzes Loch“ mehr sein muss!

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Wäre Srebrenica auch heute wieder möglich?

In diesen Tagen jährt sich wieder einmal das Massaker von Srebrenica, ein Genozid, der von serbischen Nationalisten im Juli 1995 an der bosnischen Bevölkerung in und um die bosnische Stadt Srebrenica durchgeführt wurde. Bemerkenswert war dabei die Untätigkeit der dort stationierten niederländischen Blauhelmtruppen, die nicht eingriffen.

Wie war es dazu gekommen? Die niederländischen Blauhelme hatten vom UN-Sicherheitsrat nur ein eingeschränktes Mandat zum Waffeneinsatz erhalten; sie durften ihre Waffen nur zur Selbstverteidigung benutzen. Viele Jahre später habe ich einen Vortrag eines hochrangigen niederländischen Militärs miterlebt, in dem dieser sich selbstkritisch fragte, ob es nicht besser gewesen wäre, sich über diese Einschränkungen des Mandats hinwegzusetzen und die Menschen in Srebrenica zu retten, anstatt das Mandat zu befolgen mit der Folge, dem Mord an Tausenden Zivilisten tatenlos zusehen zu müssen. Das damit beschriebene Dilemma ist offenkundig!

Was kann man aus Srebrenica lernen? Ich finde, auch bei Blauhelm- und Friedensmissionen muss „ganz oder garnicht“ gelten. Um Menschen zu schützen oder ein Land zu befrieden ist eben auch der Einsatz von Waffengewalt nicht nur zur Selbstverteidigung, sondern auch zum Schutz der betroffenen Menschen (oder des Auftrags) nie auszuschließen. Das ist ähnlich wie im persönlichen Notwehrrecht, dem ja auch ein Recht zur „Nothilfe“ (die zu Gunsten eines Dritten ausgeübte Notwehr) zum Schutz höherrangiger Rechtsgüter entspricht.

Ob sich allerdings diese Konsequenz aus Srebrenica durchgesetzt hat? Ich bin mir da keineswegs sicher und befürchte, dass ähnliche Situationen auch heute noch nicht auszuschließen sind. Die jüngere und jüngste Vergangenheit macht mich da sehr skeptisch!

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Ob das wohl funktionieren wird?

Bundesgesundheitsminister Karl #Lauterbach und die Gewerkschaft ver.di klopfen sich gerade auf die Schulter ob ihrer neu verhandelten Personalbemessungsvorgaben für die Pflege. So weit, so schön – aber: wird das funktionieren?

ver.di-Pressemeldung vom 7.7.2022 (Ausriss)

Alle wunderschönen Absprachen können nun nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie nur dann funktionieren, wenn entsprechend viele Menschen Pflegeberufe ergreifen wollen. Und Strafzahlungen für Krankenhäuser, die die Quote nicht erreichen, führen höchstens dazu, die (übrigens dringend benötigten) Kapazitäten herunterzufahren, um nicht ins Personalbemessungsdefizit zu geraten. Damit ist am Ende aber den pflegebedürftigen kranken oder alten Menschen nicht geholfen!

Menschen werden aber nur dann in größerem Umfang motiviert sein, in Pflegeberufe zu gehen, wenn die Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt die Bezahlung attraktiv sind. Die Tatsache, dass heute ein Personaldefizit in der Pflege besteht, stellt unter Beweis, dass eben diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Die Stellschraube, hier etwas zu verbessern, sind also nicht neue Verordnungen, sondern die Notwendigkeit, mehr Geld ins System zu bringen. Dabei ist es übrigens völlig gleichgültig, ob das durch Versicherungsbeiträge oder aber durch Steuern geschieht – beides muss im Ergebnis durch unsere Volkswirtschaft erarbeitet werden und der Weg, über den der einzelne Euro ins System gelangt, ist herzlich gleichgültig.

Vermutlich werden wir gesamtgesellschaftlich dahin kommen müssen, die „Wertigkeit“ der verschiedenen Berufe für unser Gemeinwesen neu zu bestimmen. Ich mache hier mal einen Versuch: Vermögensverwalter und Börsenmakler könnten durchaus in ihrer durch Einkommen dargestellten Wertigkeit heruntergefahren werden, Pflegekräfte, Pädagogen, Landwirte, aber auch Rettungsdienst- und Feuerwehrkräfte könnten ebenso wie Polizisten eine Aufwertung erfahren. Und ähnliche Beispiele wird man noch mehrere finden können. Wie gehören eigentlich Profifußballer mit ihren teilweise exorbitant hohen Gehältern in dieses System eingeordnet?

Das wird, da bin ich mir sicher, nicht ohne erhebliche gesellschaftliche Diskussionen gehen können – aber diese Diskussion muss geführt werden. Schöne Papiere wie das eingangs zitierte reichen dafür nicht aus. Wann fangen wir diese Diskussion über den an der Bezahlung festzumachenden Stellenwert und die gesamtgesellschaftliche Relevanz von Berufsbildern endlich an?

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Ja nee, is‘ klaa!

Gerade im Supermarkt an der Kassenschlange (irgendwie funktionierte das „elektrische Zahlen“ heute nur verzögert, was zur Schlangenbildung führte):

Zwei Kunden vor mir diskutierten heftig über die Ungerechtigkeit und den Egoismus der Welt! Eine Nachbarsfamilie habe im vergangenen Jahr Photovoltaik aufs Dach installiert und müsse nun kaum noch Stromkosten zahlen, und in der vergangenen Woche hätten die nun noch ihre Gasheizung rausgeschmissen und durch eine Wärmepumpe ersetzt – und dann sogar noch eine mit Kühlfunktion, sodass bei der momentanen Hitze die Wohnung über die Heizkörper angenehm temperiert sei. Man selber müsse aber den teuren Strom bezahlen und vielleicht auch bald das teure Gas, wenn denn überhaupt noch Gas ankomme. Das sei doch ungerecht und unsolidarisch und solcher Egoismus gehöre doch eigentlich verboten und, und und …

Der Gesprächspartner fragte dann denjenigen, der sich so beredt beklagte, ob er nicht auch schon mal daran gedacht habe, auf seinem Haus andere Energieformen zu nutzen, was dieser dann aber zurückwies mit dem Argument, er halte nichts von so neumodischem Kram und damit würde doch wieder nur den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen.

Ich dachte zuerst, ich sei in einem Kabarettprogramm gelandet und nicht bei ALDI. Aber das Gespräch war anscheinend tatsächlich ernstgemeint und die „logischen Brüche“ waren dem Protagonisten anscheinend nicht bewusst.

Auf jeden Fall werde ich nun darüber nachdenken, unseren Gasheizungsbrenner gegen eine Wärmepumpe auszutauschen (unser Warmwasser machen wir ja bereits seit fast vier Jahrzehnten mit einer Wärmepumpe). Strom haben wir ja über unsere PV-Anlage zum Eigenverbrauch ausreichend zur Verfügung. Den Vorwurf des Egoismus und des unsolidarischen Verhaltens nehme ich dafür gerne in Kauf …

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Photovoltaik braucht Speicher

(„Nachbrenner“ zum Beitrag von gestern)

Gerade lese ich, dass in Österreich viele Leute sich soviel Photovoltaik wie räumlich möglich aufs Dach bauen, und zwar deutlich über ihren eigenen Strombedarf hinaus – und sich nun wundern, dass die E-Werke die Einspeisung abriegeln, weil die Netze mit der großen Menge des eingespeisten Stroms überfordert werden.

Das bestätigt unsere Entscheidung, neben der PV-Anlage auch einen Speicher zu installieren. Wir können nun nämlich den am Tage bei Sonnenschein produzierten Überschussstrom speichern und aus diesem Vorrat unseren Strombedarf des Nachts und bei bedecktem Himmel decken. Wir speisen dadurch deutlich weniger ins Netz ein (was nicht schlimm ist, weil die Einspeisevergütung mit ca. 8 Ct/kWh ja inzwischen eher marginal geworden ist), müssen dafür aber auch in den anderen Zeiten nichts vom E-Werk einkaufen. Und insbesondere belasten wir dadurch die Netzinfrastrukturen nicht, was lt. Info der Netzbetreiber die Stabilität der Netze sichert.

Vorstehendes gilt – wohlgemerkt! – jetzt nach wenigen Wochen Erfahrung. Ob sich das übers Jahr so bestätigen wird, muss die Zukunft zeigen. Aber die Erfahrungen der ersten Wochen stimmen mich sehr positiv – laut Statistik unseres Systems haben wir in den vergangenen Wochen trotz des mehr als eine Woche anhaltenden Speicherausfalls tatsächlich eine Autarkie von ca. 84% erreicht!

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Wir machen unseren Strom nun selbst!

Heute vor drei Wochen war der große Tag: unsere Photovoltaik-Anlage ist in Betrieb gegangen. Nachdem eine Woche vorher bereits die „Solarplatten“ auf dem Dach montiert worden waren, wurde am 10. Juni der Wechselrichter und der Speicher durch die Fa. ENERGIEVERSUM installiert und die Anlage elektrisch in Betrieb genommen.

Unser Haus mit den montierten Photovoltaikmodulen

Nun, nach den ersten Wochen, kann ich sagen: wir haben in dieser Zeit fast 100% unseres benötigten Stroms selbst geerntet! Die Anlage produziert selbst bei bedecktem Himmel genügend Energie, um unseren Bedarf zu decken, und der ist ja bekanntlich rund um den Tag von einer gewissen Grundlast geprägt. Unsere Wärmepumpe, mit der wir Warmwasser herstellen und die während der Heizperiode außerdem Warmluft in die Wohnräume einbläst, benötigt durchgehend Strom, so dass insbesondere der Speicher dafür sorgt, auch nachts genügend eigene Energie für die Wärmepumpe bereitstellen zu können, ohne Strom hinzukaufen zu müssen.

Das war unsere „Ausbeute“ bereits am ersten Betriebstag

Wir haben auch die Möglichkeit geschaffen, durch einen Notstromanschluss unsere wichtigsten Verbraucher bei Ausfall des EVU-Netzes für eine gewisse Zeit weiter betreiben zu können. 20% unseres Speichers ist für diese Notstromversorgung reserviert. Das gibt uns zusätzliche Sicherheit gegen den Ausfall der kritischen Infrastruktur „Stromversorgung“ (KRITIS).

Notstromanschluss

Und auch, wenn wir bis jetzt noch kein Elektroauto haben: auch eine Wallbox haben wir bereits montieren lassen. Wenn wir also irgendwann einmal für unsere Mobilität von Verbrenner auf Batterieelektrik umsteigen werden, können wir auch das Auto mit selbst produzierter Energie betreiben – der lieben Sonne sei‘s gedankt!

Die Wallbox – das Elektroauto dazu fehlt uns jedoch noch, aber immerhin!

Allerdings hatten wir nach etwa einer Woche einen mehrtägigen Speicherausfall. Den konnte ich zwar im Endeffekt durch einen Systemneustart selbst beheben, allerdings waren die Anweisungen des Handbuchs dazu etwas kryptisch – es hat aber schlussendlich geklappt, nachdem ich mehrere Tage herumgerätselt hatte. Inzwischen ist durch die Lieferfirma ein Softwareupdate auf unserem Gerät erfolgt; ich hoffe daher, dass diese erste Kinderkrankheit nun nicht mehr auftreten wird.

„Schau‘n mer mal“, wie es nun weitergeht – im Augenblick hält die Anlage, was wir uns davon versprochen haben. Wir nutzen ganztägig unseren selbsterzeugten Strom und können sogar noch Überschüsse ans E-Werk verkaufen.

So mutt datt!

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Difficile est satiram non scribere …

Das Corona-Schnelltestzentrum am Real hat ab heute geschlossen – und es bedarf keiner großen prophetischen Gaben, zu prognostizieren, dass es nicht das letzte sein wird, das schließt. Damit einher geht somit eine spürbare Ausdünnung einer Vorsorgeinfrastruktur zur Eindämmung des Coronavirus.

Ob Herr Lauterbach das gut findet? Klar ist: die neue über Nacht ohne jeglichen Vorlauf eingeführte Testverordnung des Bundes wird wahrscheinlich zu einem weiteren Wegfall von Teststellen führen! Wer blickt denn da noch durch? Und vor allem: alle waren erleichtert darüber, dass die Abwicklung der Tests unbürokratisch digital erfolgen konnte, aber welcher Softwarentwickler soll denn in der Lage sein, innerhalb weniger Stunden seine Anwendung so zu verändern, dass sie den neuen Voraussetzungen entspricht, dies zu prüfen und dann auch noch flächendeckend auszurollen? Und nun geht es wieder nicht mehr ohne Papierkrieg – wer z.B. Angehörige in der Pflege besuchen möchte, muss nun zuerst zum Pflegeheim fahren, dort eine Besuchsbescheinigung ausfüllen lassen, mit dieser dann zur Teststelle fahren, das Papier dort abgeben und kann dann dort ohne Gebühr getestet werden, um dann wieder zum Pflegeheim zu fahren, den Test vorzuzeigen (Wartezeit für Auswertung und Übermittlung beachten!) und kann erst dann seinen beabsichtigten Besuch machen. Die Teststelle wiederum muss die Bescheinigung dem Test zuordnen und in Papierform archivieren, um sie dann evtl. Monate später bei einer Abrechnungsprüfung vorlegen zu können. Ob die Pflegeheime nun vor dem Eingang ein „Bescheinigungsausgabebüdchen“ aufstellen und personell besetzen müssen? Wir haben ja soooviel überschüssiges und unbeschäftigtes Personal in der Pflege …

Ich finde: die Leute im Bundesgesundheitsministerium, die sich diesen Workflow ausgedacht haben, machen Verwaltung wahrscheinlich noch wie zu Metternichs Zeiten, als die Umlaufmappe der Königsweg der Bürokommunikation war. Man kann die Neuregelung keineswegs als schlecht bezeichnen, sie erfordert vielmehr die Kennzeichnung als „ganz schlecht“.

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