Renaissancechor "venestra musica" Nordwalde

Passionskonzert

Improvisieren unterm Hungertuch

Nordwalde - Als Thorsten Schlepphorst am Sonntagabend alleine die Kirche betritt, ist die Verwunderung erst einmal groß: Was soll ein Dirigent auch ganz alleine ohne Orchester und Chor anfangen? Er macht es spannend: „Die Ereignisse haben sich am Nachmittag überschlagen“, erklärt er, doch hängte sogleich zur Erleichterung aller Anwesenden an: „Aber wir haben versucht alle Probleme zu beheben.“ Unerwartet war die Sopranistin Gisela Schweppenstedde wegen Erkrankung kurz zuvor ausgefallen und damit fehlte eine der tragenden Stimmen des Stückes. Damit nicht genug des Ganzen: Sowohl der Tenor Andreas Scholz als auch die Altistin Hanna Weißbach seien erkältet, fährt Schlepphorst fort und ergänzt schließlich mit einem leichten Schmunzeln: „Unser Bassist Arndt Winkelmann ist allerdings wohlauf, sodass unser Abend jetzt beginnen kann.“

So steht der Altarraum der St.-Dionysius-Pfarrkirche letzten Endes doch noch voller talentierter Musiker. Lange haben sich die Sänger und Sängerinnen von „Venestra Musica“ und die „Newe Steinfurter Hofkapelle“ auf den Auftritt anlässlich des 250. Todestag von Georg Friedrich Händel vorbereitet. Dennoch: Als die Glocken des Kirchturms acht Uhr schlagen, kribbelt es dem einen oder anderen trotz intensiver Proben schon etwas in den Fingern. Aber Lampenfieber gehört eben mit dazu - zumal die kurzfristigen Veränderungen enorm sind. Doch wie sich kurz darauf zeigt, wäre die Nervosität nicht nötig gewesen. Souverän und professionell meistern alle Solisten, Instrumentalisten und Chormitglieder ihre Aufgabe. Konzentriert folgen sie dem umfangreichen Notenmaterial und schnell scheinen sich die anfänglichen Spannungen zu lösen. Die Einsätze kommen, die Töne stimmen. Das Leiden Jesu auf seinem Weg zur Kreuzigung spiegelt sich vor allem in den Stimmen der Solisten wider, die mit anscheinender Leichtigkeit die Komposition Händels nachsingen.

Besonders nennenswert ist übrigens der spontane Einsatz von Michael Doerr, der die erkrankte Sopranistin so gut wie möglich zu ersetzen versucht. Nur wenige Minuten zuvor war er noch einmal ins Auto gesprungen, um seine Querflöte zu holen, mit der er kurzerhand den größten Teil der Stimme übernimmt.

Sollten die Zuhörer zu Beginn der Aufführung nach all den Hiobsbotschaften ihre Zweifel gehabt haben, so lassen sie sich am Ende nichts davon anmerken. Die Aktivisten ernten einen langen Applaus und viel Lob. Schade eigentlich, dass in der Kirche einige Plätze unbesetzt geblieben waren.

von Lisa Brentrup, WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN

Powered by CMSimple| Template: ge-webdesign.de| html| css| Login